Wenn dein Mac-Speicher plötzlich voll ist und du keine Ahnung hast, wo die Gigabytes geblieben sind, könnte Time Machine der heimliche Übeltäter sein. Apple bewirbt Time Machine als elegante Backup-Lösung – und das ist sie auch. Doch was viele nicht wissen: macOS erstellt zusätzlich lokale Snapshots direkt auf deiner Festplatte. Diese unsichtbaren Dateien können mehrere Dutzend Gigabyte belegen, wobei macOS diesen Speicherplatz automatisch als verfügbaren Speicher einstuft und die Snapshots freigibt, sobald das System den Platz tatsächlich benötigt.
Was sind Time Machine lokale Snapshots überhaupt?
Lokale Snapshots seit OS X Lion sind eine clevere Sicherheitsfunktion von macOS. Sie funktionieren wie eine Notfall-Versicherung für deine Daten: Selbst wenn deine externe Backup-Festplatte gerade nicht angeschlossen ist, erstellt Time Machine etwa stündlich Momentaufnahmen deines Systems auf der internen SSD oder Festplatte. So kannst du auch unterwegs gelöschte Dateien wiederherstellen oder zu einem früheren Systemzustand zurückkehren.
Das klingt zunächst nach einer perfekten Lösung. Diese Snapshots werden normalerweise etwa 24 Stunden lang aufbewahrt und dann automatisch gelöscht. Apple hat das System so konzipiert, dass der von Snapshots belegte Speicher als verfügbar gilt – das bedeutet, das Betriebssystem gibt diesen Platz automatisch frei, wenn du Dateien lädst, kopierst oder neue Software installierst. Trotzdem kann es in bestimmten Situationen vorkommen, dass die Anzeige verfügbaren Speicherplatzes verwirrend erscheint, besonders auf MacBooks mit begrenztem Speicher.
Versteckte Dateien sichtbar machen: Der erste Schritt zur Kontrolle
Um überhaupt einen Blick auf diese verborgenen Speicherfresser zu werfen, musst du zunächst die versteckten Dateien in macOS sichtbar machen. Apple hat diese Funktion bewusst vor durchschnittlichen Nutzern verborgen, aber mit einer einfachen Tastenkombination verschaffst du dir Zugang zu diesem verborgenen Bereich deines Systems.
Öffne den Finder und drücke gleichzeitig CMD + Shift + . (Punkt). Wie durch Magie erscheinen plötzlich zahlreiche ausgegraute Ordner und Dateien, die vorher unsichtbar waren. Diese Darstellung zeigt dir die komplette Struktur deines Mac-Dateisystems – inklusive aller Systemdateien, die Apple normalerweise ausblendet.
In neueren macOS-Versionen hat Apple die Snapshot-Verwaltung tief ins System integriert und nutzt das moderne APFS-Dateisystem. Der direkte Zugriff über den Finder ist daher eingeschränkt. Für echte Kontrolle über lokale Snapshots führt deshalb kein Weg am Terminal vorbei.
Das Terminal: Dein mächtiges Werkzeug zur Snapshot-Verwaltung
Keine Sorge – du musst kein Programmierer sein, um diese Befehle zu nutzen. Das Terminal ist einfach eine textbasierte Methode, mit deinem Mac zu kommunizieren, und bietet oft präzisere Kontrolle als die grafische Oberfläche.
Öffne das Terminal über Spotlight (CMD + Leertaste, dann „Terminal“ eingeben) oder navigiere zu Programme > Dienstprogramme > Terminal. Das schlichte Fenster mit der Kommandozeile mag einschüchternd wirken, ist aber dein direkter Draht zu den verborgenen Funktionen deines Systems.
Alle lokalen Snapshots auflisten
Der erste Befehl, den du kennen solltest, listet alle vorhandenen lokalen Snapshots auf. Gib folgendes ein:
Nach Drücken der Enter-Taste zeigt dir das Terminal eine Liste aller gespeicherten Snapshots an. Die Ausgabe sieht etwa so aus: „com.apple.TimeMachine.2024-01-15-143022.local“. Das Datum und die Uhrzeit verraten dir, wann jeder Snapshot erstellt wurde. Wenn du mehrere Einträge siehst, kannst du erkennen, wie viele Snapshots dein System aktuell vorhält.
Gezielt Speicherplatz durch Löschen freigeben
Du kannst einzelne Snapshots manuell entfernen. Der Befehl dafür lautet:
tmutil deletelocalsnapshots [Snapshot-Datum]
Wichtig ist hierbei, dass du nur das Datum im Format YYYY-MM-DD-HHMMSS eingibst, also beispielsweise „2024-01-15-143022“. Ein vollständiger Befehl würde so aussehen:
tmutil deletelocalsnapshots 2024-01-15-143022

Das System bestätigt dir die Löschung. Bedenke jedoch, dass macOS diesen Speicher ohnehin automatisch freigeben würde, sobald du ihn für andere Zwecke benötigst. Das manuelle Löschen ist hauptsächlich dann sinnvoll, wenn du sofort mehr angezeigten freien Speicher sehen möchtest oder wenn die automatische Verwaltung in seltenen Fällen nicht wie erwartet funktioniert.
Vorsichtsmaßnahmen und was du beachten solltest
Bevor du enthusiastisch anfängst, alle Snapshots zu löschen, solltest du dir über die Konsequenzen im Klaren sein. Diese lokalen Backups sind durchaus nützlich – sie können dich retten, wenn du versehentlich wichtige Dateien gelöscht hast und deine externe Backup-Festplatte gerade nicht zur Hand ist. Lokale Snapshots sind speziell als Zwischenlösung gedacht, wenn dein externes Backup-Volume nicht verfügbar ist.
Eine kluge Strategie besteht darin, nur ältere Snapshots zu entfernen und die aktuellsten zu behalten. Wenn du beispielsweise Snapshots aus den letzten 24 Stunden behältst, hast du immer noch eine Sicherheitskopie für den Notfall.
Außerdem solltest du sicherstellen, dass dein reguläres Time Machine Backup auf einer externen Festplatte aktuell ist. Die lokalen Snapshots sind nur als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz für ein vollständiges Backup auf einem separaten Laufwerk. Schließe also regelmäßig deine Backup-Festplatte an und lass Time Machine seinen Job machen.
Automatische Verwaltung steuern
Wenn du die Erstellung neuer lokaler Snapshots komplett unterbinden möchtest, gibt es dafür einen offiziellen Weg über die Systemeinstellungen. Navigiere zu „Time Machine“ in den Systemeinstellungen. Hier kannst du die automatischen Backups deaktivieren oder die Backup-Häufigkeit auf „Manuell“ setzen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass bei deaktivierter automatischer Backup-Funktion überhaupt keine neuen lokalen Snapshots mehr erstellt werden. Das ist nicht dasselbe wie eine Kontrolle über den Zeitpunkt der Snapshot-Erstellung – es bedeutet vielmehr, dass die Funktion komplett ausgeschaltet wird. Sobald du automatische Backups wieder aktivierst, kehren auch die lokalen Snapshots zurück.
Ältere Terminal-Befehle wie „tmutil disablelocal“, die in manchen Anleitungen noch auftauchen, sind seit macOS High Sierra veraltet und funktionieren nicht mehr. Apple empfiehlt ausschließlich die Verwendung der Systemeinstellungen zur Verwaltung dieser Funktion. Das ist die einzige offiziell unterstützte Methode.
Alternative Tools und weitere Tricks
Wenn du keine Lust auf Terminal-Befehle hast, gibt es auch grafische Tools wie „OmniDiskSweeper“ oder „DaisyDisk“, die verborgene Speicherfresser aufspüren können. Diese Programme visualisieren deine Festplattenbelegung und machen es einfacher zu erkennen, wo sich große Datenmengen verstecken.
Diese Tools können dir einen guten Überblick über deine Speicherbelegung verschaffen und helfen, unnötige Dateien zu identifizieren. Für die spezifische Verwaltung von Time Machine Snapshots bleiben die Terminal-Befehle allerdings das präziseste Werkzeug.
Die moderne Speicherverwaltung verstehen
Apple hat die Speicherverwaltung in modernen macOS-Versionen erheblich verbessert. Das APFS-Dateisystem, das seit macOS High Sierra zum Einsatz kommt, arbeitet mit Snapshots auf eine neue Weise. Das System ist intelligenter darin geworden, Speicherplatz dynamisch zu verwalten und bei Bedarf freizugeben.
Die zentrale Erkenntnis ist: macOS zählt von Snapshots belegten Speicher als verfügbaren Speicherplatz. Du musst dir normalerweise keine Gedanken darüber machen, wie viel Platz lokale Snapshots belegen, da sie nicht den Speicher blockieren, den du für das Laden von Dateien, das Kopieren von Dateien oder die Installation neuer Software benötigst. Das System gibt diesen Platz automatisch frei, wenn du ihn brauchst.
Die Fähigkeit, versteckte Systemfunktionen zu nutzen und das Terminal zu beherrschen, unterscheidet Power-User von durchschnittlichen Anwendern. Mit den hier vorgestellten Methoden hast du jetzt das Wissen, um deinen Mac-Speicher besser zu verstehen und bei Bedarf manuell einzugreifen. Diese Kenntnisse sind besonders wertvoll bei MacBooks mit kleineren SSDs, wo die Anzeige des verfügbaren Speicherplatzes manchmal verwirrend sein kann und du genau verstehen möchtest, was hinter den Kulissen passiert.
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